Von der Überforderung der Software-Anwender
Unsere Umfrage bestätigt: Die Anwender sind überfordert. Wir
haben Software-Anwender und IT Spezialisten nach ihren Eindrücken
gefragt. Die Meinung war eindeutig: Der Benutzer im Büro ist von
seiner Software vielfach überfordert.
Software im Alltag
Kennen Sie das? Sie wollen mal eben einen Word-Brief schreiben.
Ach, wie ging das mit der Absatzformatierung noch? Wieso ist der
Zeilenabstand so groß? Gestern war das noch nicht so. Wie ändere
ich das noch? Schnell den Kollegen fragen. Der weiß es auch nicht.
Eben mal googeln. Kurz das Werbe-Pop-Up wegdrücken, ein paar Klicks
weiter steht die Lösung. Nee, doch nicht. Dann in einem Forum
suchen. Ach, ich muss mich erst registrieren. Dazu habe ich doch
jetzt wirklich keine Zeit!
Der Frust ist groß und die Zeit geht dahin. Und mit der Zeit das
Geld. Trotz Internet und schneller Hardware.
Dabei ist Word sicherlich eine der weniger kritischen
Softwareanwendungen in Ihrem Unternehmen. Wie steht es um Ihre
Anwendungen, die für ihre Unternehmensprozesse entscheidend sind?
Ihr ERP-System? Ihre CAD-Anwendung? Ihre Branchenlösung? Oder
andere Produkte? Beherrschen diese Mitarbeiter diese Produkte ohne
Probleme? Oder ist es eher umgekehrt?
Software soll unterstützen, soll Effizienz bedeuten. Doch häufig
ist die Softwareinfrastruktur im Unternehmen so komplex,
individuell und ineinander verzahnt, dass kleine Anforderungen und
Probleme zu massiven Arbeitshemmnissen werden. Da möchte mancher
Anwender gerne mal schreiend aus dem Büro rennen und Dampf
ablassen. Aber wer versteht ihn?
Buttons, Knöpfe, Tasten oder Keys?
Software spricht Englisch. Genauso, wie es die IT an sich tut.
Nicht jeder Anwender tut sich leicht mit den Begriffen. Sie kennen
den Witz? „Ich finde die Taste Anykey nicht.“ So weit weg
vom realen Leben ist das nicht. Das, was den IT‘lern wie von selbst
über die Lippen und Finger geht, kann für den Anwender eine große
Hemmschwelle sein. Es stehen Begriffe im Raum, die er nicht kennt
oder bei denen er unsicher ist.
Da hilft die Hotline? Experten, die für Fragen der Anwender da
sind. Doch auch die Kommunikation mit der Hotline des Herstellers
ist irgendwann sehr technisch. Da wird mal eben ein Screenshot
abgefordert, soll kurz eine Datensicherung erstellt werden oder
eine Datei auf dem Server gesucht, gefunden und gemailt werden. Das
kann nicht jeder. Glücklich sind die, die da eine IT Abteilung ihr
Eigen nennen können … sofern diese in der Lage ist, sich ihren
unbedarften Kollegen gegenüber anders auszudrücken. Ist das nicht
der Fall, sollte man Berater hinzuziehen, die darauf spezialisiert
sind, zwischen IT und den anderen Abteilungen zu vermitteln.
Noch ein Upgrade, Update oder Patch
Aber nach dem nächsten Update ist dann sowieso wieder alles
anders. Zugegeben, das ist provokativ formuliert. Nicht alle
Hersteller stellen ihre Software fortwährend auf den Kopf. Aber
denken wir an den Wechsel von Microsoft Office 2003 zu Microsoft
Office 2007. Plötzlich ist der Anwender mit einer völlig neuen
Benutzerführung konfrontiert. Nichts, aber auch gar nichts ist mehr
vertraut. Welches kleine oder mittelständische Unternehmen kauft
nun einen Microsoft Word Trainer ein, um seine Mitarbeiter auf den
neuesten Stand zu bringen?
Es ist ja nur Word, sagen Sie jetzt. Das Problem gibt es aber
auch in anderen Bereichen, selbst wenn der Versionswechsel nicht so
offensichtlich ist.
Plötzlich installiert sich ein Update und ebenso plötzlich ist
da ein neues Menü. Kann ich das ignorieren? Linux Benutzer mussten
in 2009 rund zwei Updates pro Tag erdulden, und auch die Windows 7
Benutzer werden fast täglich damit beglückt. Und danach? Plötzlich
muss an einer Stelle ein Klick mehr gemacht werden. Der eine Klick
kann ein böser Stolperstein sein. Ein Klick, der von vielen gemacht
wird, kann ein Kostenfaktor sein. Vor allem wenn nicht genau
bekannt ist, warum es ihn gibt oder was er bewirkt. Der eine
Anwender tut sich leicht mit diesen Veränderungen, der andere
nicht.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Veränderungen müssen nicht
zwangsläufig negativ sein. Jeder, der Office 2007 nutzt und sich
eingearbeitet hat, wird zugeben müssen, dass bei weitem nicht mehr
so viel geklickt und gesucht wird wie vorher. Und auf den einen
oder anderen neuen Menüpunkt hat der Anwender vielleicht sogar
gewartet.
Pioniere, Motivierte, Pflichterfüller und
Blockierer
Es gibt verschiedene Typen von Anwendern. Den Pionier, den
Motivierten, den Pflichterfüller und den Blockierer. Der jeweilige
Typ setzt sich ganz anders mit „seinen“ Programmen auseinander.
Der Pionier ist jemand, der sich aktiv im Programm umsieht,
Möglichkeiten auslotet und vielleicht eine Affinität zur Technik
hat. Ihm fällt der Umgang damit leicht und Assoziationen sind für
ihn kein Problem. Er findet selber Lösungen auch wenn diese um zwei
Ecken gedacht sind.
Der Motivierte arbeitet intensiv mit Software, sucht selber
Lösungen, braucht aber Unterstützung bei seinen Anforderungen.
Der Pflichterfüller tut genau das was er tun muss. Am besten
immer das Gleiche und am allerbesten gibt es dafür eine
schriftliche Vorgabe - damit nichts schief geht.
Dem Blockierer gefällt die Software an sich nicht. Jedes
auftauchende Problem unterstreicht seine Meinung, und ein Fehler im
Programm ist eine Bankrotterklärung des Softwareherstellers.
Grundsätzlich behindert die Software ihn und stellt keine
Unterstützung in seiner täglichen Arbeit dar.
Wie gut kennen die Mitarbeiter die Software, mit der sie
arbeiten? Wie einfach ist der Umgang damit? Oder wie schwer? Hören
Sie immer wieder Kritik? Liegt es an der Software oder dem
Mitarbeiter? Trauen sich die Mitarbeiter ihre Defizite im Umgang
mit der Software mitzuteilen? Oder die Defizite der Software
selbst? Gibt es Regeln dafür in Ihrem Unternehmen? Wie gut kennen
Sie Ihre Mitarbeiter? Kennen sie den Ausbildungsstand der einzelnen
Mitarbeiter? Haben sie ein Skill-Management?
Hören Sie genau hin. Kritik an Software kann auch indirekte
Kritik an Ihren Prozessen sein und diese müssen sie ernst
nehmen.
Die Hersteller sind auch gefordert
Die Zukunft erfolgreicher Softwareprodukte wird im Wesentlichen
auch von deren Ergonomie abhängen. Dies wird zunehmend ein
Wettbewerbsfaktor werden, deutlich stärker als bisher. Gelingt es,
Einstellungen, Parameter und nicht benötigte Programmpunkte vor dem
User zu verbergen? Gelingt es, Arbeitsabläufe maßzuschneidern? Gibt
es ein Bedienkonzept, das so simpel wie möglich ist, d.h. ist der
Zugriff auf wesentliche Funktionen einfach? Das müssen sich die
Hersteller fragen.
Apple hat uns gezeigt, wie man einen Markt revolutionieren kann
und sich Erfolge durch durchdachte Ergonomie sichert. So gewaltig
und nachhaltig, dass man einen nicht genormten Standard geschaffen
hat, an dem sich der Mittbewerb messen muss.
Nun muss man allerdings auch eines feststellen: Komplexe
Vorgänge in Unternehmen können auch in Zukunft nicht immer mit
wenigen einfachen Klicks in Software abgebildet werden.
Es braucht ein Gesamtkonzept
Das vollständige Dokument lassen
wir Ihnen gerne zukommen. Bitte fragen Sie uns
danach!